Zählung wohnungsloser Menschen in psychiatrischen Krankenhäusern

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Nacht der Solidarität

In der Nacht vom 29. auf den 30. Januar 2020 erfolgte in Berlin eine erste Zählung obdachloser Menschen. Initiiert wurde die Zählung durch die Sozialsenatorin Frau Breitenbach. Die Koordination erfolgte durch Herrn Licht der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales. Die wissenschaftliche Durchführung unterlag Prof. Gerull von der Alice-Salomon-Hochschule. Von den insgesamt gezählten 1.976 Menschen befanden sich 807 auf der Straße, 158 im Öffentlichen Personennahverkehr, 942 in Einrichtungen der Kältehilfe, 42 in einem öffentlichen Wärmeraum und 27 in Rettungsstellen und Polizeigewahrsam.

Die Zählung wurde durch das Forschungsnetzwerk Wohnungslosigkeit und Gesundheit an der Charité durch eine Erfassung wohnungsloser Menschen in psychiatrischen Krankenhäusern flankiert. An dieser Erhebung nahmen alle pflichtversorgenden stationären psychiatrischen Einrichtungen in Berlin teil, zusammen betreiben sie in Berlin 2.248 Betten. In den Einrichtungen waren für die Nacht vom 29. auf den 30. Januar 2020 zwischen 0 und 43 Patienten*innen wohnungslos, was bis zu 29,5% der Patienten*innen ausmacht; insgesamt waren 311 Patienten*innen wohnungslos, im Durchschnitt 13,8%.

Zusätzlich meldete das Justizvollzugskrankenhaus 17 wohnungslose Patienten*innen bei insgesamt 21 Plätzen.

Bei der Erhebung der psychiatrischen Kliniken wurden nicht nur auf der Straße lebende Menschen gezählt, sondern auch Personen, die in Wohnungsloseneinrichtungen (z.B. Obdachlosenheime, Notübernachtungen) oder in Flüchtlingsheimen leben, die notfallmäßig bei Bekannten, Familie oder an Orten untergekommen sind, die nicht als Unterkunft gedacht sind.

Erste Analysen zeigen, dass der Prozentsatz der wohnungslosen Menschen in psychiatrischen Kliniken pro Bezirk mit der Armutsgefährdungsquote der Sozialberichterstattung des Senats korreliert, je sozial schwächer der Bezirk, desto mehr wohnungslose Patienten*innen in der jeweiligen pflichtversorgenden psychiatrischen Klinik.

Das Forschungsnetzwerk wird auf diesen ersten Ergebnissen aufbauend weitere Daten erheben und mögliche Ursachen differenzierter analysieren.

Leitung: Priv.-Doz. Dr. Anne Berghöfer, Dr. Stefan Gutwinski, Dr. Stefanie Schreiter

Pressemitteilung: https://www.charite.de/klinikum/themen_klinikum/nacht_der_solidaritaet_ergaenzende_zaehlung_in_berliner_psychiatrien/