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Über das Forschungsnetzwerk Wohnungslosigkeit und Gesundheit an der Charité

Das eigene Zuhause und damit verbundene Funktionen wie Sicherheit, Geborgenheit, Rückzugsmöglichkeit als auch Ort zwischenmenschlicher Begegnung stellen nicht nur in Krisenzeiten einen wichtigen Ankerpunkt dar. Dennoch nehmen auch in westlichen Ländern wie Deutschland die Zahlen der von Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen in der Gesellschaft zu.

Bei Wohnungslosigkeit handelt es sich um ein komplexes Phänomen mit unterschiedlichen kausalen Einflussfaktoren, zu denen nicht nur strukturelle Begebenheiten, wie die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum, Armut, Arbeitslosigkeit, Migration bzw. die verfügbaren Unterstützungs- und Versorgungsstrukturen zählen, sondern auch individuelle Faktoren, wie eine frühkindliche Traumatisierung als auch gesundheitliche bzw. seelische Störungen gehören. In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass Menschen in Wohnungslosigkeit deutlich häufiger von gesundheitlichen und seelischen Problemen betroffen sind, auf deren Verlauf sich wiederum die Wohnungslosigkeit negativ auswirkt. Auf der Basis meta-analytischer Daten wissen wir, dass beispielsweise 77,4% wohnungsloser Menschen in Deutschland an einer aktuell behandlungsbedürftigen psychiatrischen Erkrankung leiden. Das genaue Zusammenspiel dieser Faktoren bleibt jedoch weitestgehend ungeklärt. Häufig beobachtet werden neben einer hohen Lebenszeitprävalenz für psychische und Suchterkrankungen häufiger andere Erkrankungen wie beispielsweise Hauterkrankungen und Infektionskrankheiten. Weiterhin thematisiert werden zunehmend chronische Erkrankungen wie Diabetes sowie Multimorbidität und Pflegebedürftigkeit – sich verfestigende gesundheitliche Problemlagen, auf die das Versorgungssystem wenig eingestellt ist. Gesicherte Erkenntnisse zu Morbiditätsspektrum und Ausmaß der Erkrankungen sowie der Versorgungssituation von Wohnungslosen in Berlin liegen allerdings nicht vor.

Bisherige Forschungsbemühungen insbesondere zu geeigneten Wohn- und Therapieansätzen beschränken sich v.a. auf den nordamerikanischen Raum. Ansätze des Supported Housing zu dem auch der Housing First Ansatz zählt, sind im deutschen Sprachraum kaum etabliert und in das bestehende Versorgungssystem integriert.

Das Forschungsnetzwerk Wohnungslosigkeit und Gesundheit an der Charité hat sich daher zum Ziel gesetzt, die methodischen und inhaltlichen Forschungskompetenzen an der Charité für gesundheitsbezogene als auch versorgungsrelevante Aspekte wohnungsloser Menschen bzw. Menschen mit Wohnschwierigkeiten stärker zu verbinden und sichtbar zu machen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in diesem Bereich sollen vernetzt, Studierende und Doktorandinnen und Doktoranden stärker unterstützt werden. Auch über die Charité hinausgehende nationale sowie internationale Vernetzungen und gemeinsame Forschungsaktivitäten sind Teil des Netzwerkes.

Im interdisziplinären Austausch unterstützen und beraten sich die Forschenden gegenseitig. Es werden Forschungsergebnisse diskutiert und methodische Vorgehensweisen reflektiert. In eigenen Forschungsvorhaben zeigen die Forscherinnen und Forscher des Netzwerks ihre vielfältigen Kompetenzen und umfangreichen Kenntnisse in der Untersuchung gesundheitsbezogener Fragestellungen durch Wohnungslosigkeit bedrohter bzw. betroffener Menschen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Charité, die sich von der Arbeit des Netzwerkes angesprochen fühlen, sind gerne eingeladen sich mit eigenen Impulsen zu beteiligen.